Aus dem Gemeindeleben - BaptistengemeindeJennelt

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Aus dem Gemeindeleben

Die Anfänge der Baptistenbewegung in Ostfriesland und die Entstehung der Gemeinde Jennelt vor 150 Jahren

Die Geschichte der Baptisten in Ostfriesland, damals zum Königreich Hannover gehörend, begann mit einem Besuch von Johann Gerhard Oncken (1800 – 1884), dem aus Varel stammenden Gründer des deutschen Baptismus, im Jahre 1827 in Leer. Dort fand er in dem Kaufmann Christian Bonk seinen ersten Gesinnungsgenossen in Ostfriesland. Die Tätigkeit Onckens und seiner Freunde richtete sich in den ersten Jahren  vor allem auf die Verteilung von religiösen Traktaten. Mit diesen wurde der wesentliche Unterschied zu den traditionellen christlichen Glaubensrichtungen kundgetan, nämlich das Priestertum aller Gläubigen sowie die auch heute praktizierte Erwachsenen- oder Glaubenstaufe nach biblischem Vorbild im Gegensatz zu der landeskirchlichen Säuglingstaufe. Wer getauft werden wollte, entschied dies selbst und wurde dabei vollständig unter Wasser getaucht. Obwohl Oncken im Königreich Hannover seit 1841 steckbrieflich als Wiedertäuferapostel verfolgt wurde, taufte er Christian Bonk 1845 gemeinsam mit dem Weber Hinrich Cords als die ersten Baptisten Ostfrieslands in einem Kolk bei Leer.

Am 22.05.1846 wurden in Ihren neun Personen durch den Baptistenprediger Julius Köbner aus Hamburg getauft, und unter dessen Vorsitz wurde am folgenden Tage die Muttergemeinde  der Baptisten in Ostfriesland in Ihren unter dem Namen „Gemeinde getaufter Christen in Ihren“ gegründet, deren erster Ältester Christian Bonk wurde.
Die Ausbreitung der Baptisten über Ihren hinaus setzte nach 1848 ein. Mit Johann L. Hinrichs aus Jever  erhielt die Gemeinde Ihren im März 1849 ihren ersten ortsansässigen Prediger. Erst mit ihm begann die intensive Missionsarbeit in Ostfriesland. Im Jahre 1851 begann der Böttcher Matthias de Weerdt von Ihren aus seine Tätigkeit als Missionsgehilfe. In den folgenden 10 Jahren wirkte er in 38 Orten in Ostfriesland.

Peter Johannes de Neui - Der Wegbereiter des Baptismus in Ostfriesland

Der Nachfolger des Predigers Hinrichs wurde 1853 Peter Johannes de Neui, ein Schmiedegeselle, gebürtig aus Ditzumerverlaat, 1850 in Weener getauft und nach Ausbildung im Missionsseminar in Hamburg 1852 von Oncken ordiniert. Schwerpunkt seiner Arbeit war allerdings nicht die pastorale Betreuung  der Gemeindeglieder. Die Gemeinde Ihren diente ihm vor allem als Ausgangspunkt für ausgedehnte Verkündigungsreisen. Er wirkte von 1853 ab an 60 Orten in Ostfriesland. In einer Neui-Biografie von T. Duprée heißt es: “In vielen Orten pflanzte er so das Banner des Evangeliums auf. Überall hatte er einen starken Zulauf; aber er erregte auch vielerorts heftigen Widerstand. Zum Teil mochte es daran liegen, dass er rücksichtslos das tote Kirchentum angriff und die biblische Wahrheit von der Taufe und der Gemeinde auf den Leuchter stellte“…

Nach Erlass des hannoverschen Vereinsgesetzes von 1857 wurde den Baptisten zur Auflage gemacht, ihre Gemeinschaft als Verein eintragen zu lassen. Dagegen wandten sie sich zunächst mit Entschiedenheit, da sie sich als Gemeinde Jesu Christi und nicht als irgendein weltlicher Verein verstanden. Diese Weigerung führte  bald zu Schwierigkeiten für die Baptisten. So wurden z. B. um die Jahreswende 1859/1860 verschiedene Hausversammlungen in Rechtsupweg und Upende aufgelöst und verboten. Der Reiseprediger de Weerdt wurde von einer Rotte aufgebrachter Glieder der Landeskirche zwischen Rechtsupweg und Upgant überfallen. Man drohte ihn zu töten, wenn er wiederkomme.  In Münkeboe wurde eine Hausversammlung ebenfalls unter Gewaltandrohung gestört.  Diese Vorkommnisse veranlassten die Baptisten, nun doch die staatliche Anerkennung als Verein unter dem Namen „Gemeinde der getauften Christen“ nachzusuchen. Pieter de Neui und Matthias de Weerdt wurden u.a. als Vorstandsmitglieder benannt. Damals gab es nur eine Baptistengemeinde in Ostfriesland, nämlich in Ihren, wovon alle Predigtstationen von de Neui und de Weerdt im Bezirk der Landdrostei Aurich bedient wurden.

Zu dieser Zeit versuchte die Landdrostei in Aurich die Tätigkeit der Baptisten einzuschränken und verbot am 16.05.1860 unter Strafandrohung das Predigen außerhalb des Wohnsitzes. Dadurch ließen sich de Neui und de Weerdt nicht abschrecken. Obwohl sie  verschiedentlich zu Geldstrafen verurteilt wurden, setzten sie auch ihre auswärtige Tätigkeit fort, bekannten sich vor Behörden zu ihrem Glauben und beschwerten sich beim Minister in Hannover. Befragt, wie sie die Übertretungen des Verbots rechtfertigen könnten, antworteten sie: „Nach unserem Glaubensbekenntnis sind wir der Obrigkeit zwar Gehorsam schuldig und halten wir so streng darauf, dass wir z.B. Schmuggler ausstoßen, aber wenn die Obrigkeit uns an der freien Ausübung unserer Pflichten behindert, so gebietet uns unsere Religion, Gott mehr zu gehorchen wie dem Menschen, und Gott hat uns geboten, sein Wort überall zu predigen, daher müssen wir diesem Gebote mehr gehorchen, wie dem Verbote der Obrigkeit.“
Das Verbot, auswärts zu predigen, wurde nun so ausgelegt, dass damit nur Personen gemeint sein sollten, die außerhalb des Königreichs Hannover wohnten. Die gegen die Ihrener Prediger verhängten Geldstrafen wurden nicht vollstreckt, und als Gegenleistung für die Straffreiheit fertigten sie ausführliche Berichte über ihre bisherige Tätigkeit.
Von kirchlicher Seite hatte man aber noch andere Mittel, um der „neuen Lehre“   entgegenzutreten. Es bestand damals noch keine Zivilehe, sondern die Pastoren waren auch Standesbeamte. Als solche weigerten sie sich nun, die Baptisten und ihre Anhänger zu trauen.
Im Jahre 1866 wurde mit der Eingliederung des Königreichs Hannover in das preußische Staatsgebilde auch in Ostfriesland die Religionsfreiheit eingeführt, so dass die staatlichen Beschränkungen endeten.

Beginn der Missionstätigkeit in der Krummhörn


Ausgehend von den Predigtstationen im Brookmerland (Rechtsupweg, Upgant, Moorhusen, Münkeboe) begann die Missionsarbeit 1858 auch in der Krummhörn. De Neui berichtet darüber wie folgt: „Als ich einmal bei Familie Rüst in Moorhusen auf Besuch war, hörte ich von diesem, dass in Eilsum ein Mann sei, der gewissenshalber sein Kind nicht besprengen lassen und deshalb von dem dortigen Pastor viel zu leiden habe. Ich war sogleich bereit, die Reise mit Bruder Rüst dorthin zu machen. Bruder Suntke Janssen  war dort der erste, der in Gemeinschaft mit zwei anderen an mich die Bitte richtete, auch dort zu predigen. Somit kam der Tag, wo ich zum ersten Male in Eilsum zweimal predigte. Am 2. 06. 1858 wurden die beiden Ersten aus der Gegend getauft. Am 06. 06. 1858 hielt ich meine erste Predigt in Hamswehrum und am 03. 06. 1863 predigte ich zum ersten Male in Jennelt.“

Am 04.05.1860 zeigten die Baptisten von Eilsum und Middelstewehr durch S. U. Janssen und M. G. Swyter im Amte Emden die Gründung als Zweigverein von Ihren mit folgender Zweckbestimmung an: „Zweck der Gemeinde getaufter Christen ist durch Abhalten religiöser Versammlungen das geistliche und leibliche Wohl der Menschen für Zeit und Ewigkeit befördern zu helfen, und Gott zu dienen in Übereinstimmung seines Wortes. Statuten hat die Gemeinde nicht. Die Heilige Schrift des alten und neuen Testaments sind Regel und Richtschnur ihres Glaubens und Lebenswandels.“

Die Missionsarbeit in der Krummhörn und im Brookmerland trug weitere Früchte. In einem Bericht von 1864 rühmt de Neui die Gnade Gottes mit folgenden Worten: „Jetzt bin ich aus Krummhörn und Brookmerland zurückgekommen, wo eine große Bewegung ist, dessen Tragweite sich später zeigen wird. Wie ich hörte, sollen in einem Dorfe bei sechzehn sein, die Gnade gefunden haben. Ich wanderte durch den Schnee von einer Stelle zur anderen, taufte drei Personen in Middelstewehr und vier Personen in Rechtsupweg. Zu Hause angekommen erfuhr ich, dass in Krummhörn und Brookmerland wieder mehrere bereit stehen, getauft zu werden.“

Bis 1865, als de Neui nach Franeker in den Niederlanden in die dort neu gegründete Gemeinde wechselte, hatte er in Ostfriesland insgesamt 1165 Predigten gehalten und 335 Personen getauft.


Bernhard Bengen


Quellen:
Menno Smid „Ostfriesische Kirchengeschichte“,
Bibliothek der Ostfr. Landschaft Aurich

Staatsarchiv Aurich, Rep. 15, Nr. 12487

H. Balder „Geschichte der Baptistengemeinde Moorhusen“

Theo Meyer „Unruhe bei den Baptisten“, Ostfr. Kurier vom 16.04.2005

Margarete Jelten „Unter Gottes Dachziegel“

Hero Jelten „Die Entwicklung des Baptismus in Ostfriesland,
Protokoll der Ostfr. Landschaft Aurich vom 13.01.2006

Wikipedia „Baptisten in Ostfriesland“


Gründung der Baptistengemeinde in Krummhörn-Jennelt

Da das Werk hier immer mehr zunahm, der ortsansässige S. U. Janssen auch predigte und als Leiter hervortrat, drängte die Gemeinde Ihren auf Selbständigkeit der Stationen Krummhörn und Brookmerland. Weil aber der Leiter im Krummhörner Gebiet wohnte und die Missionsarbeit sich dort schnell und günstig entwickelte, wurde am 23. April 1865 die Gemeinde in Hamswehrum gegründet, und Moorhusen war die erste Station dieser neuen Gemeinde. S. U. Janssen und H. Rüst aus Moorhusen wurden als Diakone gewählt.

1875 verlegte die Gemeinde ihren Sitz nach Jennelt, nachdem  die Krummhörner Baptisten dort ihre Kapelle gebaut hatten. Jennelt wurde dann zum Ausgangspunkt für Gemeindegründungen in Norden (1900), Emden (1902) und Moorhusen (1908). Um 1900 weihten die Krummhörner Baptisten einen umgebauten Pferdestall als neues Gotteshaus in Jennelt ein. Ein Umbau wurde 1928 durchgeführt. Nach einem Anbau aus den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts erfolgte 2012/2013 durch einen weiteren Um- und Erweiterungsbau die Neugestaltung des Eingangsbereiches mit angebauten Gruppenräumen und die Vergrößerung des Gottesdienstraumes sowie die Neugestaltung des Parkplatzes.

In Ostfriesland mit seinen rund 461.000 Einwohnern gibt es heute 15 Baptistengemeinden  mit zusammen rund 2.200 getauften Gemeindegliedern. Die Baptisten in Ostfriesland machen somit rund 0,48 % der Gesamtbevölkerung aus.
Diese Zahl ist verhältnismäßig klein.  Aber für alle Christusgläubigen, die sich in der Minderheit wähnen, gilt die Ermutigung unseres HERRN Jesus Christus im Lukasevangelium, Kapitel 12, Vers 32:

„Fürchte dich nicht, du kleine Herde!
Denn es hat eurem Vater wohl gefallen, euch das Reich zu geben.“


Bernhard Bengen


Quellen:
Menno Smid „Ostfriesische Kirchengeschichte“,
Bibliothek der Ostfr. Landschaft Aurich

Staatsarchiv Aurich, Rep. 15, Nr. 12487

H. Balder „Geschichte der Baptistengemeinde Moorhusen“

Theo Meyer „Unruhe bei den Baptisten“, Ostfr. Kurier vom 16.04.2005

Margarete Jelten „Unter Gottes Dachziegel“

Hero Jelten „Die Entwicklung des Baptismus in Ostfriesland,
Protokoll der Ostfr. Landschaft Aurich vom 13.01.2006

Wikipedia „Baptisten in Ostfriesland“

Erinnerung an die Einweihung unseres Gemeindezentrums

 
 
 
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